Die Uhr – Upgrade

Die Uhr – Upgrade

Einst war die mechanische Uhr ein bewundertes Werk der MI, der menschlichen Intelligenz. Auf der Basis der GI präzisierte sie das Leben ungemein, und man glaubte, sie als Taschen- und Armbanduhr überallhin mit sich führen zu müssen. Nutzen und Prestige gingen da eine untrennbare Verbindung ein. Ihr Schlagen, ihr Ticken wurde verehrt als Sinnbild erfüllten Lebens, sie war das Herz außerhalb des eigenen Körpers. Ihr Stillstand war gleichbedeutend mit Tod.

Das Akustische wie das analog Optische der symbolträchtigen Zeiger sind fast verschwunden. Zur bloßen Zahlenfolge wegdigitalisiert. Und wie Fotoapparat und Telefon hat sich die Taschen- und Armbanduhr längst in eine Multifunktionsflachbox zurückgezogen, der wir als Monstranz der KI vertrauensvoll und öffentlich folgen wie einst der Armbanduhr.

Die Smartwatch als Upgrade der ollen Armbanduhr verändert das Gesamtbild nur marginal.

Deshalb ist es höchste Zeit(!), dass wir auch die alten Liedtexte (Uhrtexte) einem Upgrade unterziehen. Beginnen wir doch mit dem Kunstlied „Die Uhr“  von Karl Loewe. Nicht nur Hermann Prey, sondern auch Karl Valentin hat diese Pathé-tic-tac der gehobenen Liederkunst immer vortragen wollen, ist aber nie über die Erklärung von Wanduhren und Gitarren hinausgekommen: Ich starre, wo ich gehe, stets in mein iPhone  rein, denn ohne das Rumgefummle, da kann ich nicht mehr sein…

Die Musik ist dabei erstmal überhaupt nicht wichtig. Wer will, mag sich Hermann Prey trotzdem anhören.

Originaltext:

Ich trage, wo ich gehe
Stets eine Uhr bei mir
Wieviel es geschlagen habe
Genau seh ichs an ihr

Es ist ein großer Meister
Der künstlich ihr Werk gefügt
Wenngleich ihr Gang nicht immer
Dem törichten Wunsche genügt

Ich wollte, sie wär oft rascher
Gegangen an manchem Tag
Ich wollt an manchem Tage
Sie hemmte den raschen Schlag

In meinen Leiden und Freuden
Im Sturme und in Ruh –
Was immer geschah im Leben
Sie pochte den Takt dazu

Sie schlug am Sarge des Vaters
Sie schlug an des Freundes Bahr´
Sie schlug am Morgen der Liebe
Sie schlug am Traualtar

Sie schlug an der Wiege des Kindes
Sie schlägt, wills Gott! noch oft,
Wenn bessere Tage kommen
Wie meine Seel es hofft

Und ward sie manchmal träger,
Und drohte zu stocken ihr Lauf,
So zog sie der Meister mir immer
Großmütig wieder auf.

Doch stände sie einmal stille,
Dann wär´s um sie geschehn
Kein and´rer, als der sie fügte
Bringt die zerstörte zum Gehn

Dann müßt ich zum Meister wandern
Und ach, der wohnt gar weit
Wohnt draußen, jenseits der Erde
Wohnt dort in der Ewigkeit

Dann gäb ich sie dankbar zurücke
Dann würd ich kindlich flehn:
Sieh, Herr, – ich hab nichts verdorben
Sie blieb von selber stehn

Text: Johann Gabriel Seidl
Musik: Carl Loewe

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s