Ich war sofort tot!

Februar/März schreibe ich immer meinen Mülheim-Sommer-Krimi. In der Ich-Form. Sowieso.

Hier mein Konzept für 2019

Das Ende:

Ich versuche mit einem roten Ferrari zu entkommen, werde aber von einer als Stockente getarnten Killerin von hinten erschossen.

Wie alles beginnen soll:

Es ist warm. Ich sitze bei „Dicken am Damm“ und zupfte gerade an einer Schwarzwälderkirsch, als die „Heinrich-Thöne“ anlegt und sich ein Schwall von Senioren und Senioritas in das Lokal ergießt. Ich versuche nicht aufzusehen, aber plötzlich bleibt jemand bei mir stehen. Bevor ich einen Blick riskiere, nehme ich einen großen Bissen Schwarzwald auf die Zunge und kaue mich nachdenklich in ein ca. 1,80 m hohes Gesicht hinauf.

„Ich kenn dich doch!“ sagt das Gesicht und kommt auf 1,65 m zu mir hinunter. „Du hast mir heute morgen doch bei „Trink gut“ den Einkaufswagen weggenommen, nicht wahr, das warst du doch?“ Ab der Stelle “weggenommen“ tritt er unter dem Tisch auf meine Füße und bleibt darauf stehen. Ich schlucke den Schwarzwald schneller als geplant und versuche aufzustehen. Enttäuscht gebe ich zu verstehen, dass er ja schließlich keinen Chip bzw. Münze bereit gehabt hatte und verlange gelangweilt nach dem Ober. Er zischt herunter, ja, er sei Ober und zwar im „Mezzomar“, und da führen wir jetzt hin.

Wie es weitergehen soll:

Esist immer noch warm. Ich sage ihm, ich hätte vorher noch etwas mit einer jungen Sonnenblumenpflanze auszumachen, nämlich dieselbige.  Und zwar direkt gegenüber, am Parkplatzrand. Ich habe eine große Plastiktüte und eine Gardena-Schaufel sowieso dabei. Ich bin ja eigentlich nur in den „Dicken“ gegangen, um zu überprüfen, ob man von hier drinnen aus sehen kann, wie ich die Pflanze ausgrabe, eintüte und mitnehme. „Quatsch nicht so lange, bezahl und dann ab, ich warte draußen!“ soll der unheimliche Ober sagen.

Wenn ich schließlich hinaustrete, hoffe ich, er sei inzwischen überfahren worden. Er steht auf der anderen Seite der stark frequentierten Straße und sieht nicht so aus. Seine Gesten lassen eher darauf schließen, dass er die gleichen Erwartungen in Bezug auf mich hegt.

Auf dem Weg zu den Sonnenblumen, die dort immer zum Selbstschneiden angepflanzt werden, eine Bezahlmöglichkeit war noch nicht eingerichtet, frage ich ihn Belangloses. Ob er sich beispielsweise bewusst sei, dass genau hier Mendelssohn-Bartholdy längs geritten sei. „War das nicht 1834?“ fragt er dann. „Ja, sowieso“, rufe ich erfreut und packe die blaue Schaufel aus, „und man reichte dem Felix Kirschkuchen auf’s Pferd!“ Der unheimlich Ober nimmt mir die Schaufel aus der Hand und gräbt blitzschnell eine Soblu aus und versenkt sie in der hingehaltenen Plastiktüte. Da erhebt sich ein solcher Lärm und Staub, dass ich glaube, direkt vor dem „Dicken“ würde ein Flugzeug landen und auf uns zurollen. Als sich Lärm und Staub eine Weile gesenkt haben, erkennen wir einen stehenden roten Ferrari.

Und so soll‘s noch weiter gehen:

Es ist Tretboot-Uwe. Er gibt bekannt, dass „Robert, das Tretboot“ bereits an der Anlegestelle beim „Dicken“  wartet. Und zwar auf mich. Der „Ober“ solle meinen Wagen nehmen. Treffpunkt: Mülheimer Wasserbahnhof in 2 Kilometer stromabwärts. Und noch was: ich würde überwacht.

Tatsächlich finde ich an der Anlegestelle ein Tretboot vor, das sich lustigerweise als Ferrari verkleidet hatte. Dass ich einsteige und ablege, erwähne ich nur der Form halber. Wichtiger ist sowieso, wer mich den da überwachen tut.

Die Ruhr ist wie jeden Sonntag recht belebt. Sowieso. Einige Mannschaftsruderboote ziehen an mir vorbei, nicht ohne hämische Bemerkungen wie „Na, dann schmeiß doch mal den Turbo an, Robert!“ Ab der Anlegestelle „Hahnenfähre“ begleiten mich zwei Schwäne, die sich offensichtlich kennen, aber keine verleideten Tretboote sind. Dann gerate ich mit dem roten Robert urplötzlich in den Heckstrudel der „Mülheim an der Ruhr“ und schaukle unter dem Johlen der Fahrgäste hin und her. Ab der Mendener Brücke heften sich immer wieder Enten an mein Gefährt. In Höhe der Badestelle ist eine Ente hinter mir her, und ein großer tätowierter nackter Mann steht am Ufer. Er versucht mich mit einem überlangen Bootshaken ans Ufer zu ziehen. Ich kann ihm nur  mit wahnsinnig schnellem Trampeln ausweichen. Dabei verliert der große Mann trotz tätowiertem Oberkörper seine Gesichtsmaske. Wenn ich gerade an der Jugendherberge vorbeitrete, fällt der Schuss: siehe oben!

Erst nach meinem Tod erfahre ich folgendes: Da die Tretboote täuschend echte Ferrari-Kopien sind, werden sie nach Polen und weiter nach Russland verschoben. Die russische Ag-ententaucherin hatte auf dem Kopf eine Schussvorrichtung in Form einer täuschend echten Stockente. Der „Ober“ und der Bootsverleiher wurden freigesprochen. Sie saßen zur Tatzeit im Mezzomar. Dass ich überwacht würde, sollte ein Scherz sein. Leider konnte ich darüber nicht mehr lachen.

Ende

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s